Tollkirsche

Tollkirsche

Die Tollkirsche, heidnische Ritualpflanze und psychoaktive Hexenpflanze.

Die Tollkirsche, Atropa belladonna, ist eine mehrjährige Staude mit länglichen Blättern und braunvioletten Blüten in einem fünfzackigen grünen Kelch. Eine seltene Varietät ist die gelbe Tollkirsche, Atropa belladonna var. lutea. Sie zeichnet sich durch gelbe Blütenblätter und einen geringeren Tropanalkaloidanteil aus.

Der Gattungsname Atropa – die Grausame – leitet sich von einer der drei Schicksalsgötinnen, die über Leben und Tod bestimmen, ab. Atropa ist die Göttin, die den Lebensfaden durchtrennt. Die Bezeichnung weist bereits auf die Gefährlichkeit der Tollkirsche hin. Als Zauberpflanze hatte die Tollkirsche aus diesem Grund keine so bedeutende Rolle. Als Gift wurde sie jedoch schon seit Jahrhunderten verwendet. Oft wird die Tollkirsche auch als Grundmittel für Hexensalben oder magisches Räucherwerk aufgeführt. In dem Werk “Natürliche Magie” aus dem 16Jh., beschreibt Giovanni Battista della Porta die Tollkirsche als eines der Geheimmittel, mittels derer man sich in einen Vogel oder Fisch verwandeln kann.

Die Wirkung der Tollkirsche

Nach der Einnahme von Pflanzenteilen der Tollkirsche, oder den Beeren stellen sich bereits nach 15 Minuten die ersten Vergiftungserscheinungen ein. Roth schreibt dazu in seinem Buch “Giftpflanzen – Pflanzengifte”: psychomotorische Unruhe, allgemeine Erregung, nicht selten auch in erotischer Hinsicht, Rededrang, starke Euphorie, aber auch Weinkrämpfe, starker Bewegungsdrang, Intentionsstörungen, manirierte, stereotype Bewegungen, choreatische Zustände, Ataxie, Ideenflucht, Umnebelungsgefühl, Irrereden, Schreien, Halluzinationen der verschiedensten Art. Zunahme des Erregungszustandes bis zu Anfällen von Tobsucht, Wut, Raserei, mit völliger Verkennung der Umgebung. Durch Tollkirschen ausgelöste Halluzinationen werden als teuflisch und zutiefst erschreckend beschrieben.

Dosierung

Als Droge dienen sowohl die Blätter als auch Wurzel und Beeren der Tollkirsche. Die Blätter der Tollkirsche werden von Mai bis Juni geerntet, getrocknet und lichtgeschützt aufbewahrt. Die Beeren werden geerntet, sobald sie reif sind und werden dann ebenfalls getrocknet. Die so getrockneten Pfalnzenteile werden bevorzugt in Räuchermischungen verwendet.

In der Enzyklopädie von Christian Rätsch wird auf die Wirkung bei der Einnahme von frischen Tollkirschen-Beeren eingegangen. Rätsch führt hierzu folgende Dosierungen an:
1 – 2 Tollkirschen führen zu leichten Wahrnehmungsveränderungen
3 -4 Tollkirschen gelten als als psychoaktives Aphrodisiakum
3 bis maximal 10 frische Tollkirschen sind die halluzinogene Dosis.

Bei Kindern sollen bereits 3 Tollkirschen zum Tode führen können. Aufgrund der Tatsache, dass der Tropanalkaloidanteil in den Pflanzen stark varriiert, ist aus meiner Sicht dringend von einer Einnahme abzuraten.

Pflege und Vermehrung der Tollkirsche

Die Tollkirsche bevorzugt einen halbschattigen Standort mit kalkhaltigem Boden. Die seltene gelbe Varietät ist wesentlich robuster und lässt sich leichter kultivieren. Die Vermehrung erfolgt am einfachsten mittels Stecklingen oder durch Ableger vom Wurzelstock. Eine Vermehrung der Tollkirsche durch Samen ist schwierig.

Bezugsquellen für Tollkirschen

Aktuelle Bezugsquellen für Tollkirschen erfragen Sie bitte im Forum.

Familie: Solanaceae – Nachtschattengewächse
Synonyme: Atropa lethalis, Atropa lutescens, Atropa pallida, Belladonna baccifera.
Alternative Bezeichnungen für die Tollkirsche: Banewort, Beilwurz, Belladonna, Belladonne, Belledame, Bennedonne, Bockwurz, Bollwurz, Bouton noir, Bullkraut, Cerabella, Chrottebeeri, Chrotteblueme, Krötenblume, Deadly nightshade, Deiweilskersche, Dol, Dollkraut, Dolo, Dolone, Dolwurtz, Dulcruyt, Dwale, Dway berry, English belladonna, Great morel, Groote nachtschaed, Große Graswurzel, Hexenbeere, Hexenkraut, Höllenkraut, Irrbeere, Jijibe laidour, Judenkernlein, Judenkirsche, Lickwetssn, Mandragora Theophrasti, Mörderbeere, Morel, Morelle furieuse, Poison black cherry, Pollwurz, Rasewurz, Rattenbeere, Satanskraut, Saukraut, Schlafapfel, Schlafbeere, Schlafkirsche, Schlafkraut, Schwarzber, Schwindelbeere, Sleeping nightshade, Solanum bacca nigra, Solanum lethale, Solatrum mortale, Strignus, Teufelsauge, Teufelsbeere, Teufelsbeeri, Teufelsgäggele, Teufelsgückle, Teufelskirsche, Tintenbeere, Todeskraut, Tollbeere, Tolle Tüfus-Beeri, Tollkraut, TüfusBeeri, Waldnachtschaden, Waldnachtschatt, Waldnachtschatten, Uva lupina, Uva versa, Walkerbaum, Walkerbeere, Wolfsauge, Wolfsbeere, Wolfskirsche, Wutbeere, Wuth-beer, Yerva mora.
Heimisch: Mittel- und Südeuropa und in Kleinasien. Bevorzugt kalkhaltige Böden und schattige Plätze an Laub- und Mischwäldern.
Inhaltsstoffe der Tollkirsche: Tropanalkaloide (0,2 – 0,5 %) wie Hyoscyamin, das beim trocknen zu Atropin wird. Auch Apoatropin, Scopolamin, Tropin, Pseudotropin, Tropinon, Hygrin, Hygrolin, Cuscohyrgrin.
Pharmakologische Wirkung der Tollkirsche: Eingesetzt wird die Tollkirsche aufgrund seiner hohen toxität hauptsächlich in der Homöopathie ab einer Potenz von D4. Die Tollkirsche hemmt Acetylcholin das zur Reizweiterleitung zwischen den Synapsen dient. Von Experimenten muss dringend abgeraten werden.
Indikationen: Aphrodisiakum, Schmerzmittel, Gelbsucht, Wassersucht, Keuchhusten, konvulsivischem Husten, Nervenkrankheiten, Scharlach, Epilepsie, Erkrankungen der Harnorgane und Atemwege, Pupillenerweiterung (Mydriase). Gewinnung von Atropin als Schutz vor Nervengas (Phosphorsäureester).
Dosierung: Von der Einnahme ist abzuraten, weil der Tropanalkaloidanteil extrem schwanken kann. Versuche mit Tollkirschen enden nicht selten tödlich durch Atemlähmung. Tollkirschenblätter und Tollkirschenwurzeln sind Verschreibungspflichtig.
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