Johanniskraut

Bereits unsere germanischen Vorfahren sahen im roten blutähnlichen Saft des Johanniskrauts, Hypericum perforatum, das Blut Baldurs, dem Gott des Lichts und in den Blüten die eingefangene Kraft der Sonne zur Sommersonnenwende.

Schriftlich erwähnt wurde Johanniskraut erstmals im 1. Jahrhundert in Griechenland. Man empfahl es als Mittel gegen Brandwunden. Paracelsus widmete ihm Jahrhunderte später ein ganzes Kapitel in dem er es als universalis medicina bezeichnete.

Lebensraum

Johanniskraut ist in Europa und Westasien heimisch. Mittlerweile ist es auch in Ostasien, Amerika und Australien verbreitet.

Johanniskraut bevorzugt sonnige Standorte mit lockeren, etwas trockenen, eher nährstoffarmen Böden. Man findet es auf sonnigen Wiesen, an Weg- und Waldrändern, auf Lichtungen, Magerwiesen und Trockenhängen.

Beschreibung

Johanniskraut ist ein bis zu einem Meter hohes Kraut mit einem aufrechten, extrem harten und markhaltigen Stengel, weshalb es auch als Hartheu bezeichnet wird. Der Stengel weist zwei schmale Längskanten auf. Bereits am Stengel kann man Johanniskraut gut von anderen Arten unterscheiden. Am oberen Ende verzweigt der Stengel und wird buschig.

Die elliptisch bis eiförmigen, stiellosen Blätter sitzen gegenständig am Stengel. Hält man sie gegen das Licht, fallen transparente Öldrüsen auf. Kleine Löcher, auf die bereits die Bezeichnung der Art Perforata (durchlöchert) hinweist.

Die Blüten besitzen fünf goldgelbe Kronblätter und in der Mitte zu drei Büscheln zusammengefaßte Staubgefäße. An den Blüten befinden sich kleine dunkle hypericinhaltige Drüsen. Zerreibt man die Blüten, tritt das rotfarbene Hypericin aus und färbt sich an den Fingern rot bis violett.

Traditionelle und moderne Verwendung von Johanniskraut

Traditionell sammelte man am Morgen des 21. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende die Blüten des Johanniskrauts. Mit der Christianisierung verschob sich dieser Tag auf Johanni, den 24. Juni.

Aus den gesammelten Blüten stellt man entweder frischen Presssaft her oder trocknet sie zur Zubereitung eines Tees. Alternativ nimmt man die frischen Blüten zur Herstellung von Johanniskrautöl. Dazu mischt man die frischen Blüten mit Olivenöl und läßt diese Mischung 4 Wochen im geschlossenen Gefäß an einem sonnigen Ort stehen. Danach filtert man die Blüten aus. Die Prozedur kann man zur Potenzierung wiederholen. Ähnlich geht man zur Herstellung einer Tinktur vor. Man ersetzt lediglich das Öl durch 45-prozentigen Alkohol.

Die Tinktur wird bei leichten bis minderschweren Depressionen eingenommen. Sie gilt als Nervenheilmittel. In Studien konnte diese Wirkung bestätigt werden. Fälschlicherweise findet man oft die Behauptung, dass Johanniskraut die Monoaminooxidase hemmen würde. Johanniskraut ist jedoch kein MAO-Hemmer sondern hemmt im synaptischen Spalt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin. Es wirkt dadurch wie relativ nebenwirkungsarme selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer.

Das Johannisöl ist äußerlich aufgetragen ein ausgezeichnetes Wund- und Brandöl zur Behandlung von Stich-, Quetsch- und Schürfwunden, Narbenschmerzen, Neuralgien, Trigeminusneuralgie, Ischias, Leibschmerzen, Hexenschuß und Muskelzerrungen

Studien zu Johanniskraut

  • In Studien konnte eine antidepressive Wirkung nachgewiesen werden.
  • Das im Johanniskraut enthaltene Hypericin zeigte in Studien tumorhemmende Wirkung.
  • Versuche mit Mäusen zeigten eine Hemmung der Zytokinsynthese.
  • In Johanniskraut enthaltenes Hyperforin zeigte antibakterielle Wirkung wobei es selbst gegen multiresistente Staphylokokken wirkte.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Das in Johanniskraut enthaltene Hypericin weist phototoxische Wirkung auf. Durch Einnahme kann es zu einer Photosensibilisierung kommen. Jüngere Untersuchungen weisen darauf hin, dass normale Dosierungen von Johanniskraut schwerlich zu einer Photosensibilisierung führen. Es verstärkt jedoch die photosensibilisierende Wirkung von ?-Aminolaevulinsäure, welche als Induktor von Protoporphyrin in der Tumordiagnostik eingesetzt wird.

In vitro wurde eine Linsentrübung durch Hypericin nachgewiesen.

In Johanniskraut enthaltenes Quercetin gilt als karzinogen. Eine mutagene Wirkung von Johanniskraut konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Hohe Dosierungen von Johanniskraut können aufgrund des Gerbstoffgehaltes zu Diarrhö führen.

Dosierung

600 bis 900mg Gesamtextrakt pro Tag zur Behandlung von depressiven Zuständen.
Tinktur: 30ml

Inhaltsstoffe

  • Hypericine (Naphthodianthrone)
  • Hyperforin (Phloroglucinderivat)
  • Flavonoide: Rutosid, Hyperosid
  • Biflavone: Biapigenin, Amentoflavon
  • Catechingerbstoffe, Xanthone, ätherisches Öl
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