Bryophyllum pinnatum - Goethepflanze - Kalanchoe pinnata
Heilpflanze aus der Familie der Crassulaceae (Dickblattgewächse). Goethe war entzückt von dieser Pflanze und überreichte Freunden, die ihn in Weimar besuchten, kleine Pflänzchen als Geschenk. In "Geschichte meiner botanischen Studien" geht er ausführlich auf Bryophyllum pinnatum ein.
Darüber hinaus fand man in seinem Nachlass unveröffentlichte Fragmente in denen Goethe seine ersten Studien mit Bryophyllum calycinum beschreibt. In einem Brief an Marianne von Willemer in Frankfurt aus dem Jahre 1826 schrieb Goethe:
Mit einem Blatt Bryophyllum calycinum
Was erst still gekeimt in Sachsen, soll am Maine freudig wachsen; Flach auf guten Grund gelegt, Merke wie es Wurzeln schlägt! Dann der Pflänzlein frische Menge steigt in luftigem Gedränge. Mäßig warm und mäßig feucht ist, was ihnen heilsam däucht; Wenn Du's gut mit ihnen meinst, blühen sie Dir wohl dereinst.
Dem Brief legte er ein Blatt der Pflanze bei. Der Brief mutet wie eine sehr schön formulierte Anleitung zur optimalen Pflege der Pflanze an und verweist auf die vegetative Vermehrung der Pflanze durch ein einziges Blatt. Goethe ist beeindruckt, wie sich an den Blättern der Pflanze lauter neue kleine Pflänzchen bilden, die schnell neue kräftige Pflanzen bilden. Entweder treiben die Pflanzen ab einem bestimmten Alter an den Blättern der Pflanze oder sie entwickeln sich, wie im Brief beschrieben, bei Bodenkontakt.
Bezeichnung der Goethepflanze
Die mannigfaltigen Bezeichnungen der Goethepflanze sorgen sicher für Verwirrung. Allein in diesem kurzen Text wird die Goethepflanze als Bryophyllum pinnatum, Bryophyllum calycinum oder Kalanchoe pinnata bezeichnet. Eigentlich sollte eine Wissenschaftliche Bezeichnung aus Gattung- und Artbezeichnung eindeutig sein. Allerdings gibt es viele Synonyme. Im Fall der Goethepflanze erfolgt die erste botanische Bezeichnung 1783 durch Lamarck. Er bezeichnete sie als Cotyledon pinnata. Persoon korrigierte 1805 die Einordnung der Goethepflanze und nannte sie Kalanchoe pinnata. Salisbury bezeichnete sie im gleichen Jahr als Bryophyllum calycinum. Schließlich vergab ihr Oken 1841 den Namen Bryophyllum pinnatum.
Um genau zu sein, gab es zwischendurch und danach noch eine Vielzahl weiterer Einordnungen in die Systematik und damit einhergehende wissenschaftliche Namen. Heute wird die Goethepflanze meist als Kalanchoe pinnata bezeichnet. Die wichtigsten Synonyme sind Bryophyllum calycinum und Bryophyllum pinnatum.
Der Gattungsname Kalanchoe ist ein chinesischer Volksname, während Bryophyllum Sprossblatt oder Brutblatt bedeutet und damit Bezug nimmt auf die Bildung der Jungpflanzen an den Blättern der Goethepflanze. Die Artbezeichnung Calycinum stammt aus dem lateinischen. Man würde es als "mit einem Kelch versehen" übersetzen. Die Bezeichnung bezieht sich damit auf die Form der Blüte. Pinnatum könnte man frei mit "oben gefiedert" übersetzen.
Aufgrund des hohen Verbreitungsgebietes der Goethepflanze, ist die Liste der volkstümlichen Bezeichnungen enorm. Sie dürfte bei über 100 Bezeichnungen liegen. Dazu gehören so ausgefallene Bezeichnungen wie Coirama oder Hoja de Aire, im englischen würde man letztere Bezeichnung als Air Plant übersetzen und genau diese Bezeichnung findet man auch im englischen Sprachraum. In Deutschland nennt man sie dementsprechend Luftpflanze, was nur eine von mehreren Bezeichnungen darstellt. Weitere wären Brutblatt, Keimzumpe, Lebenszweig, Kindlipflanze (Kindl nennt man die sich am Blattrand bildenden Jungpflanzen) oder auch Goethepflanze.
Heilwirkungen
Die beschriebenen Heilwirkungen der Goethepflanze sind sehr umfangreich, wohl ein Umstand, dass man für die Goethepflanze auch Bezeichnungen wie Wunderpflanze findet.
Blätter und Saft von Bryophyllum pinnatum wirken antiviral, fungizid, antibakteriell, entzündungshemmend, schmerzlindernde, diuretisch und cytotoxisch. In Studien konnte auch eine wehenhemmende Wirkung nachgewiesen werden, so dass Kalanchoe pinnata eine natürliche Alternative zu synthetischen Wehenhemmern darstellt.
Äusserlich angewendet hilft die Pflanze bei Entzündungen, Fußpilz, Geschwüren, Ekzemen und Warzen.
Indikationen
Die Liste der Indikationen beruht zum großen Teil auf traditioneller Anwendung und Erfahrung. In wissenschaftliche Studien zur Goethepflanze konnten bereits einige Wirkungen nachgewiesen werden. Eine wurde bereits zuvor gennannt, nämlich die wehenhemmende Wirkung, der Pflanze. Weiterhin wurde in Studien eine tumorhemmende, leberschützende, blutdrucksenkende, antibakterielle, muskelentspannende und entzündungshemmende Wirkung nachgewiesen.
Angewendet wird die Pflanze bei:
Arthritis, Asthma, Diabetes, Schmerzen, Nierenentzündung, Atemwegsinfektionen, Schwellungen, Tumore, Rheuma, Verbrennungen, Durchfall, Menstruationsbeschwerden, Windpocken, Fieber, Zahnschmerzen, Ohrenschmerzen, bakterielle Infektionen, Bronchitis, Bindehautentzündungen, Lymphdrüsenkrebs, Blähungen, Herzrasen, Entzündungen, Wunde Stellen, Hautprobleme, Pickel, schlecht heilende Wunden, Skorbut, Abszesse, Gerstenkörner, Glaukom, wunde Stellen im Mund, Dermatitis und Nervosität.
Zubereitung
Zur inneren Anwendung erstellt man einen Dekokt aus den Blättern der Pflanze. Zur äußeren Anwendung kann man die Blätter frisch zerdrücken und auf die betroffenen Stellen legen. Bei Augen- doer Ohreninfektionen erwärmt man traditionell die Blätter und tröpfelt die danach ausgedrückte Flüssigkeit ein.
Alternativ kann man aus den fleischigen Blättern einen Presssaft erstellen.
Pflege
Die Pflanze ist anspruchslos und extrem leicht zu vermehren. Bryophyllum pinnatum verträgt jedoch keine Staunässe und ist nicht winterhart. Optimal gedeiht die Pflanze bei Temperaturen über 15 Grad Celsius.
Ansonsten ist die Pflanze sehr robust. Sie kann selbst Trockenheit gut überstehen, denn Bryophyllum pinnatum kann verhindern, das im Laufe der Photosynthese nachts das CO2 abgegeben wird. Stattdessen speichert die Goethepflanze es in Form von Malat. Am Tag kann die Pflanze die Photosysnthese durchführen ohne die Spaltöffnungen der Blätter öffnen zu müssen. Denn sie kann das dringend aus der Luft benötigte CO2 aus ihren gespeicherten Vorräten beziehen. Durch die geschlossenen Spaltöffnungen verhindert die Pflanze die sonst starke Verdunstung von Wasser über ihre Blätter.
Bezugsquellen
Seltsamerweise ist die Goethepflanze kaum in Gärtnereien zu finden. Die Pflanze vermehrt sich vegetativ so rasant durch die herabfallenden Jungpflanzen, dass sie von vielen Gärtnereien als unzubändigendes Unkraut angesehen wird. Trotzdem gibt es genügend Bezugsquellen, wobei oft die fälschlich als Goethepflanze bezeichnete Art Kalanchoe daigremontiana angeboten wird. Falls Probleme beim finden der Pflanze bestehen, kann man Fragen zu Bezugsquellen im Forum stellen.
| < Zurück | Weiter > |
|---|



